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Blockchain & Security leonardo.report 18Q4

Die Blockchain – das Netzwerk

Kaum eine Technologie hat in den vergangenen Jahren für so große Aufmerksamkeit gesorgt wie Blockchain. Ausgehend vom Höhenflug der Kryptowährungen prüfen immer mehr Branchen abseits der Finanzindustrie die Einsatzmöglichkeiten dieser hoch verschlüsselten und damit sicheren und verteilten Datenbanktechnik.

Kann man die Blockchain-Technik mit wenigen Worten erklären?

„Eine adäquate Erklärung bedarf tatsächlich einiger Worte mehr“

   

antwortet Steffen Joswig, Geschäftsführer bei Camelot Innovative Technologies Lab.

„Bei Blockchain handelt es sich um eine verkettete Liste, bei der jeder Listeneintrag, Block, einen oder mehrere Datensätze umfassen kann. Die Verkettung erfolgt über kryptografische Fingerabdrücke, sogenannte Hash-Einträge.

Jeder Hash-Eintrag wird aus allen Datensätzen eines Listeneintrags erstellt. Der Hash-Eintrag wird sowohl im vorhergehenden als auch im nachfolgenden Listeneintrag vorgehalten. Die Listeneinträge sind somit unveränderbar miteinander verschweißt, ähnlich einer Kette.“

Disruptive Veränderungen

Blockchain ist ein über viele Knoten eines Netzwerks – wie das Internet – verteiltes Datenbanksystem, das durch starke Kryptografie vor Manipulationen geschützt ist.

Das „Netzwerk“, in dem die Daten verkettet und verschlüsselt vorliegen, hat noch einen weiteren Vorteil: Eine Datentransaktion kann ohne Mittler erfolgen – zudem noch fälschungssicher!

Blockchain könnte die Art und Weise verändern, wie Marktteilnehmer in verschiedenen Branchen miteinander Transaktionen abwickeln – und damit auch ganze Industriezweige umkrempeln. Ob in den Bereichen Logistik und Produktion oder im Energiesektor, zahlreiche Unternehmen erproben Einsatzmöglichkeiten: vom direkten Stromhandel zwischen Nachbarn bis hin zur transparent nachvollziehbaren Supply Chain.

Sicherheit schafft Vertrauen

Eine Blockchain ist ein digitaler Datensatz, der eine Liste von Transaktionen (Blöcke) speichert, die von einem kryptografischen Wert unterstützt werden, erklärt GlobalSign-Autor Ved Prakash, Marketingexperte mit Spezialisierung auf IT-Vertriebs- und Distributionsmanagement, in einer Presseaussendung und spezifiziert:

„Jeder Block enthält eine Verknüpfung zum vorherigen Block, einen Zeitstempel und Daten zu den Transaktionen, die er repräsentiert. Blöcke sind unveränderlich. Einmal erstellt, können sie nicht mehr geändert werden.

Dies schafft Vertrauen zwischen allen Parteien in der Blockchain. Da niemand einen Block nach seiner Erstellung ändern kann, sind alle Beteiligten sicher, dass die darin enthaltenen Daten noch lange nach ihrer Erstellung gültig sind.

Das Konzept einer Blockchain ist als solches nicht neu und existiert schon seit 1991. Blockchains, wie wir sie heute kennen, wurden von Bitcoin-Schöpfer Satoshi Nakamoto ­kreiert, und dienen als Kontobuch der Währung. Blockchains bestehen aus Proofs of Work, bei denen es sich um Daten handelt, die den Inhalt eines Blocks verifizieren.

Proofs of Work werden für jeden Block inhaltsbasiert erzeugt. Sie sind nicht ganz einfach zu erstellen und extrem schwierig zu modifizieren. So garantieren sie im Wesentlichen, dass ein Block nicht dupliziert oder modifiziert worden ist.“

Die Nachfrage nach Blockchain steigt in vielen Branchen. Aber zahlreichen Organisationen, die an der Implementierung der Technologie arbeiten, fehlen die Ressourcen oder das Fachwissen, um schnell loszulegen. Hier ist SAP mit Leonardo richtig zur Stelle, aber noch fehlen dem ERP-Weltmarktführer die Erfahrung und der notwendige Vorlauf.

IBM hat mehrere Jahre lang daran gearbeitet, Blockchain bereit für den kommerziellen Einsatz zu machen, und Erfahrungen in Hunderten von Kundenprojekten gesammelt. Die IBM-Blockchain-Plattform wurde vor einem Jahr auf Basis von Erfahrungen mit diesen Netzwerken für Unternehmen aller Branchen eingeführt.

Schlüssel zur Smart Factory

Mehr als 80 Prozent der Industriemanager in Deutschland wollen ihre Indus­trie-4.0-Investitionen auf IT-Sicherheit konzentrieren, um die smarte Fabrik der Zukunft zu entwickeln und den digitalen Wandel zu vollziehen. Gleichzeitig wollen 71 Prozent der deutschen Manager bis 2020 gemeinsam mit Partnern ihrer Wertschöpfungskette in kooperative Plattformtechnologie investieren.

„Ein sicheres Industrie-4.0-Netzwerk ist der Schlüssel für die Umsetzung der digitalen Transformation in der Fertigungsindustrie“

sagt Martin Rainer, Manufacturing Industry Leader, DXC Technology.

„Zusammen mit Sicherheitsexperten haben wir eine dezentralisierte Industrie-4.0-Plattform entwickelt, bei der die Interaktion zwischen Menschen, Maschinen und Unternehmen durch Blockchain-Technologie gesichert ist.“

DXC Technology befragte im Rahmen der Industrie-4.0-Studie ein repräsentatives Sample von 100 Entscheidern mit Spezialisierung „digitale Transformation“ in Deutschland.

Christian Katz, Verwaltungsratspräsident von Swiss Crypto Exchange (SCX), sagte während einer Präsentation in Zürich in diesem Sommer:

„Blockchain­basierte Transaktionen, Smart Contracts und viele weitere Innovationen im Kryptobereich werden in den nächsten Jahren einen starken Zuwachs erleben. Damit die heute noch teilweise zu Recht kritisierte Intransparenz von Blockchain-Transaktionen in einen normalisierten Markt übergehen kann, ist eine saubere und transparente sowie regulierte Basis nötig, die entsprechend Vertrauen schafft.

SCX versteht sich dabei als Katalysator und möchte als SRO/VQF-regulierte Plattform und Settlement Tool für weltweite Transaktionen einen Beitrag für eine verbesserte Wertschöpfung aller Marktteilnehmer, insbesondere in der Schweiz, beitragen.“

Blockchain as a Service

SAP Cloud Platform Blockchain ist ein Blockchain-as-a-Service-Angebot, mit dem Kunden Unternehmenslösungen mit Blockchain-Technologien wie Hyperledger Fabric und MultiChain entwickeln und erweitern können.

Rund 65 Unternehmen beteiligen sich an der SAP-Initiative für Innovationen rund um die Blockchain-Technologie. Kunden erhalten in diesem Rahmen Hilfestellung bei der Einführung von Produkten für die Fertigung und die Logistikkette, die durch Blockchain-Technologie aufgewertet werden.

Diese sorgt für mehr Transparenz, höhere Sicherheit und bessere Zusammenarbeit in Branchen wie der Transportwirtschaft, der Lebensmittelindustrie und der Pharmaindustrie.

Die teilnehmenden Unternehmen stammen aus unterschiedlichen Ländern und verschiedenen Branchen wie der Konsumgüterindustrie, Telekommunikation, Einzelhandel, Logistikwesen, Landwirtschaft, Hightech, Luft- und Raumfahrt- sowie der Verteidigungsbranche, Geräte- und Maschinenbau, Energie- und Versorgungswirtschaft und öffentlicher Verwaltung. Diese Vielfalt spricht für eine hohe Blockchain-Akzeptanz.

„Die Deutsche Telekom sieht im Telekommunikationsgeschäft großes Potenzial für die Blockchain-Technologie“

sagte Hartmut Mueller, SVP, Leiter von Business Solutions bei der Deutschen Telekom IT.

„Unsere Zusammenarbeit mit SAP wird die Digitalisierung beschleunigen.“

Blockchain-Anwendungen finden sich fast in jeder Branche: SAP Advanced Track and Trace for Pharmaceuticals unterstützt Pharmaunternehmen, die Vorschriften zum Schutz gegen Arzneimittelfälschungen einzuhalten.

Die Lösung vereinfacht auch die Zusammenarbeit mit Supply-Chain-Partnern in Verbindung mit SAP Information Collaboration Hub for Life Sciences. In Kombination mit diesen Angeboten hat Blockchain-Technologie das Potenzial, den Anforderungen für die Verifizierung von Kundenrücksendungen entsprechend der US-Gesetzgebung gerecht zu werden.

IBM und der dänische SAP-Bestandskunde Maersk haben die Blockchain-Lösung TradeLens vorgestellt: eine gemeinsam entwickelte Anwendung für den globalen Handel und die weltweite Schifffahrtsökosystem.

Die Lösung adressiert viele der kostspieligen manuellen und ineffizienten Prozesse, die sich auf den weltweiten Güterverkehr und globale Lieferketten auswirken. Ziel ist eine höhere Transparenz und Effizienz.

Das World Economic Forum schätzt, dass der Welthandel durch die Beseitigung von Barrieren in den internationalen Lieferketten um fast 15 Prozent wachsen könnte. Bereits 94 Organisationen in der Branche haben sich entschlossen, TradeLens zu nutzen, darunter Spediteure, Häfen, Zollbehörden, Banken und Logistikdienstleister.

Basierend auf IBM-Blockchain bietet TradeLens eine Informationsplattform für Versanddaten, Dokumente, Zollanmeldungen und IoT-Daten. Verlader, Reedereien, Spediteure, Hafen- und Terminalbetreiber sowie Binnenverkehrs- und Zollbehörden können mit TradeLens in Echtzeit auf diese Informationen zugreifen und damit sicher und effizient zusammenarbeiten. Sie sind in der Lage, IoT- und Sensordaten zu nutzen, etwa zur Temperaturkontrolle oder beim Containergewicht.
Handel der Zukunft

Abschließend geht GlobalSign-Autor Ved Prakash davon aus, dass bis 2025 zehn Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf der Blockchain generiert werden. Finanzinstitute auf der ganzen Welt experimentieren mit Blockchain als Plattform für den Handel der Zukunft.

Mastercard hat bereits eine eigene Blockchain-Technologie zur Zahlungsabwicklung eingeführt. Justin Pinkham, der die Blockchain-Initiativen von Mastercard leitet, sieht in Blockchain eine Lösung, die den Transport von Pharmazeutika, Luxusgütern und sogar Diamanten überwacht. Die hinter Kryptowährungen wie Bitcoin stehende Blockchain-Technologie wird nicht nur den E-Commerce, sondern Hunderte andere Branchen verändern.

Kuratiert von Peter Färbinger mit Texten von IBM, SAP, GlobalSign, DXC Technology, EQS Group, Deutsche Telekom, Camelot und Maersk

leonardo.report

Das Zukunftsmagazin der SAP®-Community zur digitalen Transformation.

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