[shutterstock.com: 310657205, Oliver Hoffmann]
[shutterstock.com: 310657205, Oliver Hoffmann]
leonardo.report 18Q4 Multi-Cloud-Infrastructure & Platform

Leonardo – mehr als ein Luftschloss?

SAP Leonardo ist kein einzelnes Produkt, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Anwendungen, die zum großen Teil auf Open-Source-Software basieren. Und auch wenn vieles davon bisher nur auf dem Papier existiert, lohnt es sich doch, einen näheren Blick auf die bereits vorhandenen Komponenten zu werfen.

Obwohl SAP Leonardo über ein Jahr alt ist, herrscht noch ein eher diffuses Verständnis davon, was Leonardo eigentlich alles beinhaltet. Diese Verwirrung ist leicht nachvollziehbar, denn SAP Leonardo vereint eine Vielzahl unterschiedlichster Lösungen, die bis auf den Namen nur wenig miteinander gemein haben.

Das Einzige, was sich als verbindendes Element anbringen ließe, ist, dass es sich im weitesten Sinne um „Trendthemen“ handelt. Insofern ist SAP Leonardo tatsächlich vor allem eine neue „Brand“, auf die gerne bei Marketingveranstaltungen verwiesen wird, um die Innovationsfähigkeiten von SAP zu belegen.

   

Dass dabei munter Methoden, Technologien und Begriffe durcheinandergeworfen werden (Design Thinking findet sich in einer Reihe mit dem Internet of Things usw.), trägt zudem nicht unbedingt zum Vertrauen bei.

Aber Leonardo existiert tatsächlich. Viele der angekündigten Bestandteile sind schon verfügbar und lassen sich bereits testen. Die Vision, die unter dem Namen SAP Leonardo formuliert wurde, bezieht sich in ihren Eckpunkten auf die Bereiche Internet of Things, Machine Learning, Big Data und Blockchain.

Das erklärt auch, wieso SAP so vehement und mit mächtigem Marketingbudget in diesen Bereich dringt: SAP ist hier der Newcomer und konkurriert mit einer Vielzahl von verschiedenen Firmen, die auf diesen Gebieten zum großen Teil schon deutlich länger unterwegs sind.

Das Problem, dessen sich SAP mit Leonardo annehmen will, ist relevant: In den vergangenen 20 Jahren hat das Silicon Valley zahlreiche innovative Software-Lösungen hervorgebracht, die eine wichtige Basis für seine Erfolge und technologische Führerschaft darstellen.

Diese Grundlagentechnologien stehen zum größten Teil als Open-Source-Software zur Verfügung und ermöglichen es – zumindest theoretisch –, auf Augenhöhe mit den großen IT-Giganten zu agieren.

Allerdings sind die Komplexität und wechselseitigen Abhängigkeiten dieser Software-Produkte nahezu unüberschaubar und für den normalen IT-Verantwortlichen ist es kaum ersichtlich, welche neuen Lösungen von Apache nun am besten geeignet sind, um seine spezifische Aufgabenstellung zu lösen.

Leonardo soll für den Kunden diese Komplexität verringern. Mithilfe der über Leonardo angebotenen User Interfaces und Schnittstellen soll die dahinterstehende vielschichtige Architektur unsichtbar werden und der Kunde in die Lage versetzt werden, an den oben beschriebenen Trends zu partizipieren – ohne einen sehr teuren Know-how-Aufbau in allen möglichen obskuren State-of-the-Art-Technologien betreiben zu müssen.

Aber nun zu SAP Leonardo selbst. Die meisten Leonardo-Anwendungen basieren auf der SAP Cloud Platform. Am weitesten fortgeschritten sind die Leonardo-Anwendungen im Bereich Internet of Things und (mit starken Einschränkungen) Machine Learning.

Dies liegt einerseits darin, dass vielfach ein schlichtes Rebranding bestehender Komponenten unter dem Leonardo-Namen durchgeführt wurde, und zum anderen, dass SAP unter dem Namen SAP Leonardo IoT Foundation eine tragfähige Vision vorgestellt hat, die nun durch neue Eigenentwicklungen und Zukäufe umgesetzt wird.

Leonardo IoT Foundation besteht aus einer Vielzahl von verschiedenen Produkten wie IoT Services, Application Enablement und Gateway Services, die aufeinander aufbauen und helfen sollen, den Fluss der Sensordaten zu orchestrieren.

Dabei werden die Informationen über das Gateway zu IoT-Services transferiert, um dann über Application Enablement den weiterführenden Anwendungen zur Verfügung zu stehen. Hierbei wird ein digitales Thing-Modell erstellt, welches die echten physikalischen Objekte repräsentiert.

Ziel ist es, eine Lösung bereitzustellen, die Integration, Betrieb und Wartung von Sensornetzwerken sicherstellt und eine asynchrone, durchsatzlimitierte Datenverarbeitung ermöglicht.

Neben der Tatsache, dass das mittlerweile abgekündigte Predictive-Analytics-Portfolio auch unter dem Namen Leonardo firmiert, hat sich die SAP ein zweites Standbein im Bereich Machine Learning aufgebaut, welches auf Google TensorFlow basiert.

Hier stehen zum einen verschiedene vordefinierte Services zur Verfügung, die sich durch eigene Daten anpassen lassen, wodurch sich z. B. die Bild- oder Texterkennung um die für das jeweilige Unternehmen relevanten Geschäftsvorfälle erweitern lassen. Anderseits besteht die Möglichkeit, komplett selbst entwickelte TensorFlow-Modelle dort einzubinden.

Hier muss SAP zeigen, inwiefern sich Leonardo Machine Learning von einer eigenen (kostenlosen) TensorFlow-Serve-­Umge-bung absetzen kann. Mehr und mächtigere vordefinierte Modelle könnten in Zukunft ein wichtiges Argument werden.

Ist Leonardo nun mehr als ein Luftschloss? Das, was schon verfügbar ist, sieht auf jeden Fall vielversprechend aus. Wenn SAP diese Komponenten nun konsequent weiterentwickelt und die angekündigten Produkte nachliefert, könnte hier tatsächlich ein konkurrenzfähiges, umfassendes Portfolio entstehen.

Kuratiert von Robert Korec, CvD leonardo.report.

LogoBanner-Allgeier

Julian Ruterschmidt, Allgeier ES

Julian Ruterschmidt, Data Scientist, Retail Innovation Team von Allgeier ES.

Kommentar hinzufügen

Hier klicken um zu kommentieren