Editorial-Leonardo
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Da Vinci Universe leonardo.report 18Q4

Editorial: Perfekt eingenordet

SAP hat sein ERP-Weltreich auf Leonardo eingenordet. Das entspricht in mehrfacher Weise großer Klugheit und Weitsicht. Für die digitale Transformation der SAP-Community gibt es kein besseres Synonym als „Leonardo da Vinci“ – der überragende Universalgelehrte.

Ob die digitale Transformation jemals enden wird, ist ungewiss und lange noch nicht entschieden. Begonnen hat sie allemal: Wenn man die digitale Transformation als opulentes mehrgängiges Menü darstellen will, dann sind wir momentan beim Gruß aus der Küche angelangt und haben den ersten Schluck Champagner probiert.

Ja, es gibt etwas zu feiern! Wir haben es vielleicht das erste Mal mit einer technischen Evolution zu tun, die nicht allein von Technikern bestimmt, gesteuert und zu Ende gebracht wird. Neben den Techniken wie Blockchain, IoT, Deep Learning, Cloud Computing und Predictive Analysis gehören zur digitalen Transformation auch neue Geschäftsprozesse.

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Das evolutionäre und revolutionäre Business Process Re-engineering und Change Management erleben eine Wiedergeburt. Ein ähnliches Erlebnis muss die Erfindung und Implementierung der Dampfmaschine oder des elektrischen Lichts gewesen sein – nicht nur dass die Technik selbst faszinierend und revolutionär war, sondern dass es auch gesellschaftlich und wirtschaftlich zu vollkommen neuen Aufbau- und Ablauforganisationen kam.

Vorausschauende Wartung, Predic­tive Maintenance, wird heute nicht durch immer bessere Algorithmen und höhere Statistik basierend auf bekannten Prozessen erreicht, sondern durch eine vollkommen neue Denkweise und Analyse der Herausforderungen – nebenbei bemerkt:

Aus genau diesem Grund gehört zum SAP’schen Leonardo-Werkzeugkasten auch das von Professor Hasso Plattner geförderte und bekannt gemachte Design Thinking. Naturgemäß hat der leonardo.report ein eigenes Kapitel, das dem Design Thinking und DevOps gewidmet ist.

Zurück zu Predictive Maintenance: Erfahrene Servicetechniker können am Arbeitsgeräusch von CNC-Maschinen hören, ob ein „Getriebeschaden“ existiert oder mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten wird. Nun sind erfahrene Servicetechniker nicht leicht zu finden und junge Techniker sollten auch eine Chance bekommen.

Das Wissen und die Erfahrung können in ein neuronales Netzwerk übertragen werden. Mittels Mach­ine Lear­ning entsteht ein analytischer Prozess, der durch ein Smartphone aufgenommene Geräusche in einer KI-Cloud von Google, Amazon oder Microsoft bewertet. Das Ergebnis der CNC-Stimmenanalyse ist eine Wartungsempfehlung.

Mehr als eine nette Spielerei und Technik-Show? CNC-Maschinen sind keine isolierten IT-Inseln, sondern erhalten die Bearbeitungsschritte aus dem Back-Office, wo die Konstruktionsanweisungen für die Werkzeugmaschinen entstehen.

Über diese Verbindungen könnte der Service-Techniker auch den Zustand der CNC-Maschine abfragen. Aber dann müsste er eine IT-Berechtigung für das lokale Netz seines Kunden haben, was unmittelbar IP-, Compliance- und Gover­nance-Herausforderungen zur Folge hätte. Die akustische Schnittstelle hingegen ist „Compliance-sicher“ und damit stressfrei für alle Beteiligten.

Warum aber basiert die digitale Transformation für vorausschauende Wartung auf KI/AI-Technik? Cambridge Consulting, beheimatet im Trinity-Forschungspark nahe der englischen Universitätsstadt Cambridge, weiß die Antwort:

Ähnlich der akustischen vorausschauenden Wartung hat man eine Anwendung entwickelt, die ein gespieltes Klavierstück in Echtzeit nach Klassik, Ragtime, Jazz und Pop klassifiziert.

Die akustische Eingabe wird gewandelt in eine Textnachricht. Mehrere Programmierer mit musikalischem Wissen arbeiteten etwa drei Monate an dem Algorithmus. Parallel dazu wurde ein neuronales Netz aufgebaut (Deep Learning mit einem Recurrent Neural und Deep Convolutional Network).

Nach einer Lernphase von etwa zwei Wochen war die Erkennungsrate signifikant höher als die des manuell programmierten Algorithmus: Artificial Intelligence schlägt Homo ludens. In diesem und vielen anderen Fällen wird Machine/Deep Learning den Vortritt haben, weil preiswerter und schneller!

Und SAP Leonardo?

SAP ist perfekt eingenordet, wenn auch ohne eigene Kernkompetenz. Die Richtung stimmt, aber andere IT-Unternehmen sind den Weg bereits gegangen und haben mit den „Leonardo-Themen“ wesentlich mehr Erfahrung. Cambridge Consulting hat mit Nvidia das neuronale Musikerkennungsnetz realisiert – gut zu wissen, dass auch SAP mit Nvidia im Bereich Leonardo ­Machine/Deep Learning kooperiert.

Leonardo umfasst somit alle Aspekte der digitalen Transformation. In allen Bereichen ist demnach SAP aktiv, aber ebenso gibt es in allen Bereichen Spezialisten, die weiter sind als SAP selbst.

SAP kooperiert mit vielen dieser Blockchain-, IoT-, AI-, Cloud-Experten. Der Blick über den Tellerrand erscheint für SAP-Bestandskunden bei der Bewältigung der digitalen Transformation unumgänglich. Mit dem Zukunftsmagazin ­leonardo.report wird der SAP-Community diese umfassende Hilfe zum Meistern der Digitalisierung gegeben.

Anregungen, Wünsche, Kritik und Ideen bitte an [email protected].

Peter M. Färbinger, leonardo.report

Herausgeber und Chefredakteur des leonardo.report Magazins.

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