[shutterstock.com: 1061543018, Vladimir Vihrev]
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Internet of Things leonardo.report 18Q4

IoT ist nicht genug

Am Anfang war Industrie 4.0, aber schnell übernahm die SAP-Community den globalen Begriff IoT. Das Internet der Dinge ist aber nicht genug für die Digitalisierung und gilt trotzdem vielen als Ausgangspunkt für die digitale Transformation.

Vergangenes Jahr versuchte SAP mit einem Leonardo-Kongress in Frankfurt/M. die SAP-Community von der Kernkompetenz IoT zu überzeugen. Trotz des Ehrengastes Professor Henning Kagermann gelang das Vorhaben nur teilweise.

IoT als Idee ist schnell verstanden, die Umsetzung ist aber mehr als eine technische Herausforderung und SAP besitzt auf diesem Gebiet kein historisches Wissen – also gilt es, wie schon so oft davor, zugekaufte Unternehmen in das SAP’sche Universum zu integrieren.

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Die anwesenden Bestandskunden und Analysten bescheinigten der SAP, in die richtige Richtung zu marschieren, aber es fehlt noch an ganzheitlichen Konzepten und operativen Lösungen. Licht am Ende des Tunnels erblickte bei dieser Leonardo-IoT-Veranstaltung in Frankfurt/M. kaum ein Besucher.

Kurz nach dem Leonardo-Treffen meinten demnach auch die Analysten von Crisp Research: SAP spielt bezüglich Leonardo IoT mit dem Vertrauen ihrer Bestandskunden. Es gab viel heiße Luft und kaum zu Ende gedachte Geschäftsprozesse.

Eine tragfähige IoT-Aufbau- und Ablauforganisation schaut anders aus. Ein Jahr später schaut die Situation schon wesentlich besser aus. Stefan Ried, Principal Analyst und IoT Practice Lead bei Crisp Research:

„SAP konnte sich sowohl als IoT Cloud Back-End als auch als IoT-­Edge-Technologie im Accelerator-Quadranten des Crisp Vendor Universe positionieren. Während SAP eine von vielen Edge-Technologien ist, konnte sich SAP Leonardo IoT bei den Cloud-Diensten durch sein offenes Konzept sogar gerade unter den fünf führenden Accelerators positionieren.“

Mehr dazu unter crisp-research.com/vendor-universe/internet-of-things.

Von Big Data bis I 4.0

Das SAP’sche IoT ist naturgemäß mehr als das Internet der Dinge mit Tausenden Sensoren in CNC-Maschinen. Diese geforderte Vielfalt ist noch eine gewaltige Herausforderung für SAP und natürlich ist unklar, ob SAP diese Aufgabe wird lösen können:

Als Teil des digitalen Innovationssystems Leonardo nutzen diese Lösungen Big Data und analytischen Funktionen, um Menschen, Dinge und Unternehmen über die SAP Cloud Platform miteinander zu vernetzen und Technologien wie maschinelles Lernen zu nutzen. Dadurch lassen sich Strategien für das Internet der Dinge und Industrie 4.0 in der digitalen Logistik, Fertigung und Anlagenverwaltung in die Praxis überführen.

Als Leiter des Internet of Things Competence Centers für Deutschland, Österreich und die Schweiz schreibt Oliver Edinger (Software AG) regelmäßig über Einsatzmöglichkeiten, Geschäftsnutzen, Trends und Herausforderungen des Internet der Dinge:

„Viele Unternehmen zögern noch bei der Umsetzung von Internet-of- Things-Projekten. Sie verrennen sich in technischen Überlegungen, statt sich auf das zu fokussieren, worauf es eigentlich ankommt: mit angemessenem Aufwand schnell einen wirtschaftlichen Nutzen zu erzielen. Mehr Mut ist gefragt.“

Und so meint Oliver Edinger, dass Unternehmen ein IoT-Projekt häufig mit einem Proof of Concept beginnen, um die technische Machbarkeit zu prüfen. Was sie dabei verkennen:

Die Basistechnologie ist heute so weit fortgeschritten, dass sie kein limitierender Faktor mehr ist. Man braucht sich darüber gar nicht so sehr den Kopf zu zerbrechen. Viel wichtiger ist die Frage, welchen betriebswirtschaftlichen Nutzen ein IoT-Projekt bringt.

Proof of Value und Praxis

Den wirtschaftlichen Nutzen eines IoT-Projekts kann man nicht am Schreibtisch oder in einer Laborumgebung ermitteln, weiß Edinger aus seiner beruflichen Erfahrung. Für den Proof of Value müssen Unternehmen ihr IoT-Szenario in die Praxis umsetzen.

Und: IoT-Projekte sind kein Ein-Personen-Spiel. Sie erfordern Zusammenarbeit in vielen verschiedenen Sektoren. So benötigen Unternehmen nicht nur eine IoT-Plattform, sondern auch die geeignete Sensorik, um Daten abzugreifen. Sie müssen mit ­Retrofitting alte Maschinen IoT-fähig machen und benötigen eine geeignete Analytics-Lösung.

Außerdem brauchen sie jemanden, der die Infrastruktur für die Datenübertragung bereitstellt. All dies kann ein einzelner Hersteller oder Dienstleister allein nicht leisten. Vielmehr ist ein Netzwerk an kompetenten Partnern gefragt. Dieses Netzwerk versucht SAP mit Leonardo zu etablieren, aber noch fehlt es an einer tragfähigen Community. SAP allein wird es nicht schaffen.

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Crisp Research: Die führende Accelerator-Gruppe der IoT-Cloud-Dienste wird von Amazon, Google, IBM, Microsoft und SAP angeführt (in alphabetischer Reihenfolge, rechts oben).

Fehler machen

Eines ist für Oliver Edinger klar: „Wie jedes neue Produkt kann auch eine IoT-basierte Innovation scheitern. Unternehmen dürfen jedoch nicht den Fehler machen, gleich wieder ganz auszusteigen. Die Erfahrungen sind wertvoll für die Zukunft.

Empfehlenswert ist es, ein Portfolio aus IoT-Use- Cases in unterschiedlichen Bereichen – zum Beispiel Service, Logistik, Neue Produkte, Fertigung – aufzubauen und in verschiedene Richtungen zu experimentieren. Nur wer sich traut, Fehler zu machen, kann Innovationen hervorbringen.

Entscheidend ist, dass man die Fehler schnell macht und sie auch schnell wieder korrigiert. Unternehmen müssen im Hinblick auf IoT-Projekte mutiger werden, wenn sie das Potenzial von IoT zu ihrem Wettbewerbsvorteil nutzen wollen.“

Die ersten Gehversuche: Wie kaum eine andere Industrie sieht sich der Einzelhandel den Herausforderungen des technologischen Wandels ausgesetzt. Zum einen sind in der Vergangenheit wichtige Marktanteile an den Onlinehandel verloren gegangen, zum anderen drängen nun die Onlineriesen selbst in das angestammte Filialgeschäft.

Mit der IoT-BoxX möchte SAP-Partner Allgeier demonstrieren, wie auch für den europäischen Handel eine Antwort auf diese Herausforderungen aussehen kann. Das technologische Grundgerüst der IoT-BoxX ruht dabei auf zwei Säulen: Die Prozesse der Materialwirtschaft werden mithilfe eines S/4-Hana- und SAP-CAR-Systems realisiert.

Die Anbindung der Sensorik und der Machine-Learning-Anwendungen erfolgt über Leonardo-Dienste auf der SAP Cloud Platform. Daneben sind eine Vielzahl von weiteren On-premise- und Cloud-Systemen beteiligt: von Hybris Commerce und Hybris Marketing über den SAP Data Hub bis zur SAP Analytics Cloud. So ergibt sich eine hybride, gemeinsam mit Huawei entwickelte Systemlandschaft, die zeigt, wie die Umsetzung eines Future-Store-Konzepts im SAP-Umfeld aussehen kann.

Dieses Konzept basiert auf dem Amazon Go Store in Seattle, welcher das kameragestützte Erkennen von Produkten und das direkte Bezahlen über die eigene App anbietet. Die Zuordnung der Kunden zu den entnommenen Produkten erfolgt dabei über Gesichtserkennung.

Zwölfmal Best in Class

Die Analysten von PAC (CXP Group) haben dieses Jahr eine Studie zu IoT Platforms in Europa veröffentlicht. Hierfür hat PAC über 120 Plattformen untersucht und 43 davon in sieben Segmenten evaluiert. Über alle Segmente hinweg erhielten nur zwölf Anbieter eine „Best in Class“-Bewertung: AWS, Bosch Software Innovations, Fiware, GE Digital, Harman, IBM, Itron, Microsoft, PTC, SAP, Siemens und Software AG.

Resümee:

„Der Markt für IoT-Plattformen ist äußerst komplex und dynamisch. Wir beobachten die Entstehung neuer Marktsegmente sowie die Neupositionierung einiger Anbieter. Während wir in einigen Marktsegmenten eine beginnende Konsolidierung sehen, explodiert die Zahl der Anbieter in anderen Bereichen regelrecht“

erläuterte Arnold Vogt, Consultant und IoT-Analyst bei CXP.

Kuratiert von Peter Färbinger: Texte von Allgeier, SAP, PAC/CXP und Software AG.

leonardo.report

Das Zukunftsmagazin der SAP®-Community zur digitalen Transformation.

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